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Sächsische Zeitung [online] - Regionalsport: Stasi soll den Mord an Lutz Eigendorf bezahlt haben
sz-online.de | Sachsen im Netz
Sport
Donnerstag, 11. Februar 2010
(Sächsische Zeitung)

Stasi soll den Mord an Lutz Eigendorf bezahlt haben

Von Dieter Sieckmeyer

Der Tod des BFC-Spielers soll neu aufgerollt werden. Ein verurteilter Räuber gibt zu, Geld und Auftrag zum Mord erhalten zu haben.

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BFC-Fußballer Lutz Eigendorf fand nach der Flucht privates Glück mit der Pfälzerin Josephine. Fotos: WDR, dpa

Der mysteriöse Tod des Fußballers Lutz Eigendorf, der 1979 aus der DDR geflüchtet war, könnte erneut die Berliner Staatsanwaltschaft auf den Plan rufen. Der Direktor der Berliner Stasiopfer-Gedenkstätte, Hubertus Knabe, beantragte gestern die Wiederaufnahme von Mord-Ermittlungen. Eigendorf starb 1983 bei einem Autounfall bei Braunschweig. Immer wieder war darüber spekuliert worden, dass die Stasi dabei ihre Hände im Spiel hatte. Er habe den Antrag gestellt, nachdem am Dienstag ein früherer Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Stasi vor dem Düsseldorfer Landgericht vom Mordauftrag berichtete. Der Historiker bat die Berliner Staatsanwaltschaft auch um eine Prüfung, ob die Leiche des Fußballers exhumiert werden könne. In MfS-Unterlagen habe es Hinweise auf eine Vergiftung gegeben.

„Wenn sich neue Gesichtspunkte ergeben, wird das Verfahren wieder aufgenommen“, sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. „Mord verjährt nicht.“ Zuletzt waren Ermittlungen 2004 eingestellt worden. Es gab keine handfesten Beweise.

Lutz Eigendorf spielte in der DDR für den BFC Dynamo Berlin – Lieblingsclub von Stasi-Chef Erich Mielke. Vier Jahre nach Eigendorfs „Republikflucht“ krachte das Auto des damals 26-Jährigen gegen einen Baum bei Braunschweig. Der Spieler hatte 2,2 Promille Alkohol im Blut. Zeugen hatten allerdings beteuert, dass er nicht so viel getrunken hatte, als er ins Auto stieg.

Kampfschwimmer wird Killer

Auslöser für neue Ermittlungen ist der mehrfach vorbestrafte Karl-Heinz F., der am Dienstag in Düsseldorf wegen schweren Raubes zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt wurde. Der 65-Jährige ist eine schillernde Figur: Seine Karriere begann in Warnemünde als Kampfschwimmer. Danach boxte er zehn Jahre lang als DDR-Leistungssportler, wurde zweimal Meister im Fliegen- und Leichtgewicht: „Von 210 Kämpfen habe ich 180 gewonnen.“ 1976 hatte er seinen ersten Ausreiseantrag gestellt. Vier Jahre später durfte der Mann, der neun Kinder mit sechs verschiedenen Frauen hat, in die Bundesrepublik reisen – ohne seine damalige Freundin. „Damit sie ausreisen durfte, habe ich den Mordauftrag angenommen“, erklärte Karl-Heinz F. Den Killerjob habe er aber nicht ausgeführt.

„Drei Jahre später wurde festgestellt, dass ich ein Alibi habe. An dem Tag habe ich im Berliner Kempinski gearbeitet“, berichtete der schmächtige Mann. Dass Eigendorf den Unfall hatte, sei ihm „praktisch vor die Füße gefallen“. Damit hatte sich sein Auftrag erledigt. Immerhin durfte seine Herzdame in den Westen reisen. Doch die Liebe hielt nicht: „Sie ist heute Amtsleiterin in einem Berliner Frauen-Gefängnis.“ Im Westen schlug er sich zunächst als Kellner durch, danach versuchte sich F. in Berlin als Box-Trainer.

Sechseinhalb Jahre Haft

„Ich habe Sven Ottke damals das Boxen beigebracht“, behauptet er. Später folgten Arbeiten für eine Schweizer Firma als Anlageberater. Vor fünf Jahren kam der Absturz nach einer Haftstrafe wegen eines Verkehrsdeliktes. Er verlor seine Wohnung. Vergangenen August soll er eine Drogerie überfallen und die Verkäuferin mit einem Messer bedroht haben. Dafür bekam er nun die sechseinhalb Jahre Haft.

Bis zu 50 hauptamtliche Stasi-Mitarbeiter sollen auf Eigendorf im Westen angesetzt gewesen sein, hatte der Buch- und Filmautor Heribert Schwan recherchiert. Er hatte in Stasi-Akten Hinweise auf ein als Unfall getarntes Mord-Komplott entdeckt. Eigendorf hatte nach einem Spiel einen Stadtbummel in Gießen zur Flucht genutzt. Er wurde dann beim 1. FC Kaiserslautern angestellt. Mielke selbst soll den Mord angeordnet haben. Der Autor des Buches „Tod dem Verräter“ fand Hinweise auf den heute 65-jährigen Ex-IM. Ermittlungen verliefen im Sande – seine Stasi-Akten von 1980 bis 1983 fehlten.

Der 1979 geflüchtete Leipziger Fußballtrainer Jörg Berger sagte in einem Spiegel-Interview zum Fall Eigendorf: „Ich habe noch versucht, ihn zu warnen, dass er aufpassen müsse. Bewiesen ist die Stasi-Beteiligung bis heute nicht vollkommen, auch weil Eigendorfs Auto damals nicht richtig untersucht wurde. In den Stasi-Akten stand später jedoch: ,Eigendorf verblitzt‘ – ich bin überzeugt, dass die Stasi dahintersteckte.“ Jörg Berger geht fest davon aus, dass nach dem Eigendorf-Tod die Stasi auf ihn einen Giftanschlag verübte. (Westdeutsche Zeitung/dpa/SZ)



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